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Von Laurin Schlereth · 15. März 2026 · 20 Min. Lesezeit

Immobilien kaufen in Deutschland — der komplette Leitfaden

Eigenkapital, Finanzierung, Kaufnebenkosten, Notartermin: Alles für Immobilienkäufer in Deutschland — mit Rechner-Tools, Gesetzen und typischen Fehlern.

Viele Käufer rechnen mit dem Kaufpreis — und übersehen, dass on top noch 10 bis 15 Prozent Nebenkosten kommen, die keine Bank mitfinanziert: Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, oft Makler. Bei 350.000 € sind das schnell 35.000 € bis 50.000 €, die aus eigener Tasche kommen müssen. Wer das zu spät bemerkt, scheitert an der Finanzierung. Diese Posten und alle weiteren Schritte — von der Eigenkapitalplanung bis zur Eintragung ins Grundbuch — nimmt der folgende Leitfaden der Reihe nach durch.

Kurzantwort: Der Immobilienkauf läuft in festen Schritten: Budget + Eigenkapital klären (Faustregel: mindestens die Kaufnebenkosten von 8–12 % plus möglichst 20 % des Kaufpreises), Finanzierung sichern, Objekt prüfen (Lage, Zustand, Energieausweis), notariellen Kaufvertrag schließen, Grunderwerbsteuer zahlen und ins Grundbuch eintragen lassen. Eigentum entsteht erst mit der Grundbucheintragung. Neben dem Kaufpreis ~10–15 % Nebenkosten einplanen.

Schritt 1: Eigenkapital — wie viel brauchen Sie?

Banken finanzieren in der Regel 80–90 % des Kaufpreises. Die restlichen 10–20 % plus alle Kaufnebenkosten müssen Sie aus Eigenkapital stemmen. Als Faustregel gilt: Kaufnebenkosten + 20 % Eigenkapital. Wer weniger Eigenkapital einbringt, zahlt höhere Zinsen und muss eine Risikolebensversicherung abschließen.

Beispiel: Kaufpreis 350.000 € in NRW
+ 6,5 % Grunderwerbsteuer22.750 €
+ 1,5 % Notar + Grundbuch5.250 €
+ 3,57 % Makler (hälftig)6.247 €
= Kaufnebenkosten (ca. 10 %)34.247 €
+ 20 % Eigenkapital70.000 €
= Benötigtes Eigenkapital104.247 €

Beachten Sie: Die Kaufnebenkosten werden fast nie mitfinanziert. Wer kein Eigenkapital für die Nebenkosten hat, bekommt in der Regel keinen Kredit. Ausnahme: sehr gut verdienende Kreditnehmer bei Vollfinanzierung (100 % + NK) — aber mit deutlich höheren Zinsen.

Schritt 2: Finanzierung — Annuitätendarlehen verstehen

Das Annuitätendarlehen ist die Standardform der Immobilienfinanzierung. Sie zahlen eine konstante monatliche Rate, die sich aus Zins und Tilgung zusammensetzt. Mit steigender Tilgung sinkt der Zinsanteil — am Ende der Zinsbindung bleibt eine Restschuld, die Sie refinanzieren müssen.

Finanzierungsparameter und ihre Auswirkung
ParameterTypischer WertAuswirkung
Darlehenssumme200.000–400.000 €Beeinflusst Zinskonditionen
Sollzinssatz3,5–5 % (2024)Höchster Kostenblock — früh festlegen
Anfangstilgung2–3 % p.a.Niedrig = lange Laufzeit, hohe Restschuld
Zinsbindung10–15 Jahre empfohlenPlanungssicherheit vs. Zinsrisiko
Sondertilgung5–10 % p.a. tilgungsfreiReduziert Gesamtzinskosten erheblich

Faustregel monatliche Belastung: Darlehenssumme × (Zinssatz + Tilgung) / 1.200. Bei 300.000 € Darlehen, 4 % Zins und 2 % Tilgung: 300.000 × 6 / 1.200 = 1.500 €/Monat. Die Faustregel gilt: Monatliche Rate sollte max. 35–40 % des Nettohaushaltseinkommens betragen.

Schritt 3: Kaufnebenkosten — alle Positionen im Überblick

Kaufnebenkosten machen je nach Bundesland 8–15 % des Kaufpreises aus — und müssen fast immer aus Eigenkapital gezahlt werden. Die größten Positionen:

Kaufnebenkosten beim Immobilienkauf
KostenartHöheHinweis
Grunderwerbsteuer3,5 % (Bayern) – 6,5 % (NRW)Größter Posten, je nach Bundesland
Notarkostenca. 1,0–1,5 % des KaufpreisesGesetzlich geregelt (GNotKG)
Grundbucheintragungca. 0,5 % des KaufpreisesEigentumsübertragung + Grundschuld
Maklerprovision3,57 % je Käufer und VerkäuferSeit 2020 Bestellerprinzip: 50/50
GebäudeversicherungAb Übergabe läuft sie weiterUmmeldung auf neuen Eigentümer

Schritt 4: Immobiliensuche — worauf achten?

Die Immobiliensuche beginnt mit der Klärung der eigenen Prioritäten: Eigennutzung oder Kapitalanlage? Neubau oder Bestandsimmobilie? Wohnung oder Haus? Jede Kombination hat andere Vor- und Nachteile.

Lage: Entscheidend für Wertstabilität. Mikrolage (Straße, Etage) wichtiger als Makrolage (Stadt).
Energieeffizienz: Seit 2023 GEG: veraltete Heizungen werden teuer. Energieausweis vor der Besichtigung anfordern (Pflicht!).
Baujahr und Zustand: Altbauten bis 1980 haben oft Sanierungsbedarf. Rücklagen einplanen: 10–15 €/m² und Jahr.
WEG-Rücklage: Bei Eigentumswohnungen: Protokolle der letzten 3 Eigentümerversammlungen und Kontostand der Rücklage prüfen.
Grundbuch: Vor dem Kauf: Abt. II (Lasten und Beschränkungen) prüfen — z.B. Wohnrechte, Nießbrauch, Vorkaufsrecht.

Schritt 5: Kaufpreisbewertung — ist der Preis fair?

Der Kaufpreisfaktor (Vervielfältiger) ist die wichtigste Kennzahl: Kaufpreis ÷ Jahresnettomiete. In deutschen Großstädten liegen die Faktoren 2024 bei 20–35 — das heißt 20 bis 35 Jahre Miete muss die Immobilie einbringen, um den Kaufpreis zu verdienen. Zum Vergleich: Historisch gelten 20–25 als normal, über 30 als sportlich.

Kaufpreis350.000 €
Jahreskaltmiete (1.200 € / Monat)14.400 €
Kaufpreisfaktor24,3 — gut
Kaufpreis500.000 €
Jahreskaltmiete (1.000 € / Monat)12.000 €
Kaufpreisfaktor41,7 — sehr sportlich

Für die Eigennutzung ist der Faktor weniger entscheidend — hier zählt die persönliche Situation. Für Kapitalanleger gilt: Unter 20 ist interessant, über 30 nur bei starker Wertsteigerungserwartung.

Schritt 6: Kaufvertrag und Notartermin

Immobilienkaufverträge sind in Deutschland notarpflichtig (§311b BGB). Ohne Notar ist der Kauf nichtig. Der Ablauf:

Kaufvertragsentwurf: Der Notar erstellt den Entwurf auf Basis der Eckdaten. Käufer hat Anspruch auf Entwurf mindestens 14 Tage vor Beurkundung.
Beurkundung: Notar liest den Vertrag vor, erklärt ihn und beurkundet. Käufer und Verkäufer unterschreiben.
Auflassungsvormerkung: Notar beantragt sofort die Vormerkung im Grundbuch — schützt den Käufer vor Doppelverkauf.
Grunderwerbsteuer: Finanzamt erhält Kopie und setzt Grunderwerbsteuer fest — nach Zahlung stellt es Unbedenklichkeitsbescheinigung aus.
Kaufpreiszahlung: Erst nach Vorlage der Unbedenklichkeitsbescheinigung zahlt der Käufer (direkt an Verkäufer oder über Notaranderkonto).
Grundbucheintragung: Nach Kaufpreiszahlung und allen Genehmigungen trägt Notar den neuen Eigentümer ins Grundbuch ein (dauert 4–12 Wochen).

Steuerliche Aspekte — AfA, Spekulationssteuer und mehr

Wer eine Immobilie zur Vermietung kauft, profitiert von erheblichen steuerlichen Vorteilen. Wer verkauft, muss dagegen auf mögliche Steuerfallen achten.

Steuerliche Aspekte beim Immobilienkauf
SteuerRegelungVorteil / Risiko
AfA (§7 EStG)2 % p.a. (Baujahr ab 1925), 2,5 % (vor 1925), 3 % (ab 2023)Abschreibung senkt zu versteuernde Mieteinnahmen
Degressive AfA5 % p.a. bei Baubeginn nach 30.09.2023 (Wachstumschancengesetz)Höhere Steuerersparnis in ersten Jahren
Spekulationssteuer§23 EStG: bei Verkauf innerhalb von 10 Jahren nach KaufEntfällt bei Eigennutzung (2 Jahre) oder > 10 Jahre Haltedauer
Grunderwerbsteuer3,5–6,5 % je Bundesland, einmalig beim KaufNicht abziehbar, erhöht Anschaffungskosten
Vermietungseinkünfte§21 EStG: Mieteinnahmen minus WerbungskostenZinsen, Reparaturen, Verwaltung absetzbar

Kaufen oder mieten — die ehrliche Rechnung

Ob Kaufen oder Mieten besser ist, hängt von drei Faktoren ab: Kaufpreisfaktor, Mietpreissteigerung und Haltedauer. Bei einem Faktor über 30 und kurzer Haltedauer (unter 10 Jahre) rechnet sich Mieten meist besser — wegen der hohen Kaufnebenkosten, die amortisiert werden müssen.

Faustregel: Bei einem Kaufpreisfaktor von 25 braucht man ca. 10–12 Jahre Haltedauer, bis der Kauf günstiger ist als Miete — nach Kaufnebenkosten, Zins und entgangenem Eigenkapitalzins. Das wird in teuren Stadtlagen (Faktor 30+) noch länger.

Die 10 häufigsten Fehler beim Immobilienkauf

Zu wenig Eigenkapital: Kaufnebenkosten unterschätzt — viele Käufer sind überrascht, dass 8–15 % on top kommen.
Falscher Zinssatz: Angebote nur bei einer Bank eingeholt — Vergleich über Broker spart oft 0,3–0,5 % p.a.
Tilgung zu niedrig: 1 % Tilgung bedeutet über 50 Jahre Laufzeit. Min. 2 % empfohlen, besser 2,5–3 %.
Energieausweis ignoriert: Sanierungspflichten übersehen — schlechte Energieklasse kann 50.000–150.000 € Sanierungskosten bedeuten.
WEG-Protokoll nicht gelesen: Sonderumlagen und teure Beschlüsse übersehen — werden auf neuen Eigentümer umgelegt.
Keine Baugutachtung: Ohne Sachverständigen verdeckte Mängel übersehen — Baubegleitung kostet 500–1.500 €, lohnt sich fast immer.
Kaufpreisrausch: Im Bieterwettbewerb zu viel gezahlt — Budget vorab festlegen und daran festhalten.
Rücklagen vergessen: 1–2 % des Kaufpreises pro Jahr für Instandhaltung einplanen.
Zu kurze Zinsbindung: 10 Jahre zu kurz bei aktuellem Zinsniveau — Anschlussfinanzierungsrisiko unterschätzt.
Nießbrauch/Grundschulden übersehen: Grundbuch Abt. II nicht geprüft — alte Lasten bleiben beim Käufer.

Checkliste: Immobilienkauf auf einen Blick

Checkliste Immobilienkauf nach Phasen
PhaseAufgaben
VorbereitungEigenkapital berechnen, Budget festlegen, Schufa prüfen, Finanzierungsrahmen von Bank vorab
SucheKaufpreisfaktor prüfen, Energieausweis anfordern, WEG-Protokolle lesen, Grundbuch bestellen
BesichtigungBaumängel dokumentieren, Zählerstände notieren, Sachverständigen einschalten
Finanzierung3+ Banken/Broker vergleichen, Zinsbindung 15 Jahre, Tilgung 2,5 %, Sondertilgung 5 %
KaufvertragEntwurf 14 Tage vorher prüfen, Notar beurkundet, Auflassungsvormerkung
KaufabwicklungGrunderwerbsteuer zahlen, Unbedenklichkeitsbescheinigung abwarten, Kaufpreis überweisen
Nach dem KaufGrundbucheintragung abwarten, Versicherungen ummelden, Steuerberater für erste Steuererklärung

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Stand: 2026 · Quelle: BGB (§§ 311b, 873, 925 zur Eigentumsübertragung an Grundstücken), BMF und Landesfinanzverwaltungen (Grunderwerbsteuersätze), GNotKG (Notar- und Grundbuchkosten). Angaben ohne Gewähr — maßgeblich ist der notarielle Kaufvertrag.

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Angaben ohne Gewähr — Gesetze und Rechtsprechung können sich ändern. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt oder Steuerberater.